... reisst die trauer aus den büchern.
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wahnsinn #001

Nana - der Tod trägt Pink

meine Geschichte mit diesem Buch beginnt zufälligerweise genau in den Wochen, in denen Nanas Leben endet ...

Es ist der siebte Januar zweitausendzwölf. Es ist kalt und das atmen hinterlässt weisse Spuren in der klirrenden Luft. Ich fühle mich etwas deplaziert in meinem Leben. Irgendwie verloren schlendere ich durch die Stadt. Mein Ziel kristalliesiert sich nach einigen Kurznachrichten mit der kleinen Hexe schnell heraus. Ich nehme die nächste U Bahn und fahre ein paar Stationen. Als ich die U Bahn wieder verlasse, schlägt mir der Wind eisig ins Gesicht. Ich vergrabe die Hände tiefer in den Taschen meiner Jacke.

Als ich die kleine Hexe sehe, steht sie etwas verlegen am Eingang des Wohnheims. Ihre Haare sind auf drei Millimeter abrasiert und ihre Augen leuchten. Sie wollte eine Veränderung. Endlich diese Oberflächlichkeiten hinter sich lassen. Ich muss schmunzeln. Die Frisur steht ihr und es sieht grossartig aus, wie ihre grossen blauen Augen die Härte aus dieser Frisur nehmen. Ich umarme sie fest. Wir reden und statten der nächsten Einkaufsmöglichkeit einen Besuch ab. Sandwiches, Cola und Chips finden wir schnell. An der Kasse bildet sich eine lange Schlange. Wir reihen uns brav ein. Plötzlich höre ich es ... die Arroganz und die Ablehnung, mit der die beiden Mädchen reden schnüren mir den Magen zusammen. Ich lausche ihrer völlig unnötigen Ausführung über die Frisur der kleinen Hexe. Worte wie assozial und hässlich fallen. Alles in mir zieht sich zusammen. Langsam drehe ich mich um und fixiere sie. Die Leute scheinen die Spannung zu spüren. Plötzlich wird alles still ... es ist einer dieser Momente, in denen man selbst an den lautesten Orten Stecknadeln fallen hören kann.

Mein Blick trifft ihren und plötzlich platzt es nur so aus mir heraus. Ich höre mich über Menschen reden, die nicht die Wahl haben, ob sie Haare verlieren oder nicht, die krank sind und dass es das letzte Ist über Menschen zu urteilen, die man nicht kennt. Ich rede mich so in Rage, dass ich gar nicht bemerke, wie mir die Tränen in die Augen schiessen. Aus Wut. Aus Trauer. Und weil diese Ungerechtigkeit mir das Wasser nur so unter die Nasenwurzel treibt.

Die beiden schauen mich völlig eingeschüchtert an. Dann legen Sie schnell ihre Sachen in ein Regal und verlassen fluchtartig den Laden.

Zwei Tage später beschliesse ich mich bewusst dazu mich frei zu machen ... aus Solidarität. um ein Zeichen zu setzen. Weil ich die Wahl dazu habe es zu tun. In einer Nacht und Nebelaktion lasse ich mir von Freunden in einem Münchner Hotelzimmer die Haare abrasieren.

Die nächsten Wochen und Monaten fühle ich mich befreiter als jemals zuvor. Ich fühle mich, als wäre eine riesen Last von mir abgefallen. Als hätte das abrasieren meiner Haare auch seelische Last von mir genommen. Ich fange an mich intensiver mit mir selbst zu beschäftigen, als je zuvor und bekomme dadurch das Gefühl innerlich im Gleichgewicht zu sein.
Ich ahne nicht, dass mir etwa ein Jahr später ein Buch in die Hände fallen würde das mich so sehr bewegt.

Gerade durch diese Vorgeschichte und diese freiwille Veränderung, fühle ich mich eng mit Ihrer verbunden.

Es ist der achtundzwanzigste Februar zweitausenddreizehn, als mein Mädchen mir einen Zeitungsartikel und einen Link über Nanas Schicksal schickt.
http://www.youtube.com/watch?v=fT0t1v6m7JA
Sie arbeitet im Klinikum Großhadern, in dem Nana behandelt wurde. Nur wenige Wochen nachdem sie eingeliefert wird, beginnt mein Mädchen Patienten auf der Station zu betreuen, auf der auch Nana lag, lernt sie aber nie kennen.
Ich laß den Artikel. Irgendetwas in mir war von dieser Geschichte so fasziniert und berührt, dass ich sofort in den nächsten Laden ging, um mir das Buch zu kaufen.

Ich wünsche der Familie von Nana alle Kraft der Welt und hoffe, dass dieses Buch vielen Betroffenen Mut machen kann.
4.3.13 20:26
 



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